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02.01.2018 WFB Bünder Zeitung


»Schulinfrastruktur weiter ausbauen«

Bürgermeister Wolfgang Koch blickt den Entwicklungen 2018 optimistisch entgegen. Er will Bünde als Schul- und Bildungsstandort weiter voranbringen. Fotos: Karl-Hendrik Tittel

Rückblick und Ausblick: Im Gespräch mit Bündes Bürgermeister Wolfgang Koch

Bünde(BZ). Ein Jahr ist vorüber, ein neues hat begonnen. Karl-Hendrik Tittel, Mitarbeiter der BÜNDER ZEITUNG, sprach mit Bürgermeister Wolfgang Koch über für Bünde wichtige Entscheidungen und prägende Entwicklungen sowie Glanzpunkte und Enttäuschungen 2017 – und über Herausforderungen für 2018.

Herr Koch, was war für Sie als Bürgermeister das Highlight in 2017?

Wolfgang Koch: Da gab es so einiges: Beteiligung am Energieversorger WWE, Kauf des Bahnhofsgebäudes, Auszeichnung als familienfreundlicher Betrieb oder grünes Licht für den Abbruch des Cordes-Gebäudes.


Und die größte Enttäuschung?

Koch: Gewerbefläche Muckum. Das war für mich eine bittere Pille.



Wie bewerten Sie diese Angelegenheit heute?

Koch: Im Prinzip wie damals. Zum einen, weil es nicht geklappt hat, was natürlich sehr schade ist. Aber was mich nach wie vor gewaltig ärgert, ist die Art und Weise. Aus meiner Sicht hat kein systematischer Abwägungsprozess von Für und Wider stattgefunden, sondern es hat eine kleine Interessengruppe Stimmung gemacht. Das hat letztendlich dazu geführt, dass Häcker gesagt hat: nein!


Wie kann die Verwaltung aus diesen Erfahrungen oder Fehlern lernen?

Koch: Ich glaube nicht, dass wir Fehler gemacht haben. Ich denke, wir haben ein sehr offenes Verfahren gesucht. Das wird natürlich von einigen Personen bestritten. Es sind ja auch teils völlig abstruse Vorwürfe erhoben worden, und es ist zu unanständigen Mitteln gegriffen worden.



Was haben Sie dabei am Unanständigsten empfunden?

Koch: Dass leitenden Verwaltungsmitarbeitern persönliche Vorteilsnahme unterstellt wurde. Das war und ist aus meiner Sicht völlig untragbar – und völlig aus der Luft gegriffen.


Ausgiebig ist in 2017 auch über das Freibad gesprochen worden. Steuert man Ihrer Meinung nach auf die für Bünde beste Lösung zu?

Koch: Wir werden sicherlich ein schickes neues Freibad bekommen. Wir sind jetzt dabei, die vergaberechtlichen Vorgaben ausführlich zu prüfen. Wir bevorzugen eine Variante mit einem für den Gesamtbereich verantwortlichen Generalplaner.


Ein »schickes neues Freibad« wird sicherlich eine schöne Stange Geld kosten…

Koch: Wir gehen momentan von mindestens fünf Millionen Euro Gesamtkosten aus. Die Wünsche, die an Politik und Verwaltung herangetragen wurden, sind in den Beschluss mit eingeflossen – so planen wir jetzt mit einem 50-Meter-Becken. Wir hoffen in 2019 eröffnen zu können, müssen aber aufgrund des Auftragsvolumens voraussichtlich europaweit ausschreiben, was längere Fristen bedeutet.


Auch der Bahnhof, im vergangenen Jahr von der Stadt gekauft, war in 2017 häufig Thema. Wie lautet da der aktuelle Stand?

Koch: Wir sind dabei, einen Architektenwettbewerb vorzubereiten, der hoffentlich vor den nächsten Herbstferien abgeschlossen sein wird. Gespräche mit potenziellen Mietern sind auch bereits geführt worden. Deren sowie spätere Anregungen werden in das räumliche Konzept mit einfließen.


Wann wird alles fertig sein?

Koch: Das kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Wir wollen ja eine Mobilstation schaffen und die Funktion Bündes als Verkehrsschnittstelle zwischen kleineren und größeren Kommunen in der Region erweitern. Aber wir wollen den Bahnverkehr auch innerstädtisch mit dem Bus-, Rad- und Fußverkehr verknüpfen. Die Mobilität ist für Bünde ein wichtiges Zukunftsthema.


Stichwort Nahmobilität: Der Posten des Fahrradbeauftragten ist immer noch vakant. Lässt man da über Jahre erarbeitete Lorbeeren einfach verwelken?

Koch: Über diese Situation bin ich alles andere als glücklich. In Kürze finden Vorstellungsgespräche für die Verkehrsplanerstelle statt. Ein Teil der Stellenbeschreibung beinhaltet die Funktion des Fahrradbeauftragten. Wir wollen auf jeden Fall wieder eine hauptamtliche Anlaufstelle für das Thema Radverkehr im Rathaus haben.

An Bündes Stadtfluss lässt es sich teils prima radeln. Wieso spielt die Else mehr oder weniger sonst kaum eine Rolle im Alltag der Bünder?





Koch: Ich würde nicht sagen, dass die Else keine Rolle im Alltag der Bünder spielt. Ich denke nur an den 24-Stunden-Lauf. Sicherlich kann man da noch einiges machen – und das werden wir auch. Wir warten jetzt auf ein Konzept für den Bereich Elsestadion, Else und Steinmeisterpark, bei dem auch das Elseufer mit einbezogen werden soll, um es attraktiver zu gestalten.


Wo Sie den Steinmeisterpark erwähnen… wie hat sich Bündes erst vor wenigen Jahren neu gestaltete »grüne Lunge« aus Ihrer Sicht einwickelt?

Koch: Sehr gut. Die Besucherzahlen sind deutlich gestiegen, was unter anderem an einigen neuen Angeboten liegt, die gut angenommen werden. Die Entwicklung des, wenn wir das mal so nennen möchten, »Sport- und Freizeitparks Mitte« ist ja noch lange nicht abgeschlossen. Freibad, Elsestadion und Steinmeisterpark – all das wird zu einem attraktiven Freizeitbereich im Zentrum entwickelt.


Das Internet ist auch aus der Freizeit nicht wegzudenken, für Unternehmen ist eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur wichtig. Wie will Bünde den Breitbandausbau voranbringen?

Koch: Das Thema Breitbandausbau ist ein wichtiges Thema. Wir haben erhebliche Fördermittel vom Bund und Land dafür bekommen. Es läuft ein Vergabeverfahren, das vom Kreis koordiniert wird. Auch die Stadt Bünde hat beträchtliche Mittel bereitgestellt, damit der Ausbau von leistungsfähigem Anschlüssen zügig und flächendeckend über die Bühne geht.


Alles andere als zügig gab das Denkmalpflegeamt grünes Licht für den Abriss des Cordes-Gebäudes. Wann rollen die Bagger an?

Koch: Im ersten Quartal dieses Jahres vielleicht nicht, aber hoffentlich werden wir dann die Ausschreibungen unter Dach und Fach gebracht haben. Unter dem Gebäude verläuft der Bach, der freigelegt und renaturiert werden soll. Ferner müssen wir schauen, was mit dem dortigen Hochwasserrückhaltebecken passiert. Daraus wird sich dann ergeben, ob die gewerblich nutzbare Fläche insgesamt oder in zwei separaten Teilen überbaubar sein wird.


Hat die Verwaltung eine favorisierte Nutzungsart für dieses Areal im Hinterkopf?

Koch: Nein, da sind wird offen. Es gibt sicherlich Szenarien, die wir nicht wollen…


Welche?

Koch: Ein konkretes Beispiel möchte ich nicht nennen. Es soll schon etwas sein, das die städtebauliche Entwicklung voranbringt.
Entwickeln wird sich auch die ehemalige Britensiedlung in Hunnebrock. Wie steht es da um den Erwerb von Gebäuden?
Koch: Über den Teilerwerb eines Gebäuderiegels an der Robert-Schumann-Straße sind wir gerade im Gespräch mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Darüber hinaus gibt es Überlegungen in Richtung sozialer Wohnungsbau. Gleichwohl wollen wir den Bereich mittel- und langfristig in eine andere Richtung entwickeln.


Neben den bereits erwähnten – welche Herausforderungen kommen auf Bünde in diesem Jahr zu?

Koch: Ich sehe Bünde als starken Schul- und Bildungsstandort. Um die Schulinfrastruktur weiter auszubauen, werden wir in den nächsten Monaten viel Geld in die Hand nehmen, zum Beispiel für die beiden Mensen im Schulzentrum Nord oder für Investitionen an der Grundschule sowie der Realschule Mitte. Die Beteiligung an der WWE, die aus meiner Sicht eine strategisch gute Entscheidung war, wird uns kurzfristig viel Geld kosten, das ist auch eine Herausforderung. Es ist ein großer Vorteil, dass wir bei der Finanzierung aus vorhandenen Mitteln Eigenkapital einbringen können.


Da kommt der mit einem Plus von 10,9 Millionen Euro nahezu märchenhafte Jahresabschluss 2016 gerade recht.

Koch: 2016 haben wir von unerwartet hohen Steuereinnahmen sowie hohen Schlüsselzuweisungen profitiert. Insofern ist das nichts, wofür wir uns selber auf die Schulter klopfen können. Momentan freuen wir uns, dass wir zu den wenigen Kommunen gehören, die über eine Ausgleichsrücklage verfügen.


Was wünschen Sie sich für das Jahr 2018?

Koch: Vor allem Gesundheit – für alle Menschen in Bünde.