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19.09.2018 NW Bünder Tageblatt


Der Bürgermeister will nicht mehr

Kandidiert nicht für eine dritte Amtszeit:

Bürgermeister Wolfgang Koch will in zwei Jahren in den Ruhestand gehen. FOTO: CARINA SCHMIHING

Politik: Nach zehn Jahren im Amt zieht sich Wolfgang Koch zurück. Bei der nächsten Kommunalwahl in
knapp zwei Jahren soll Martin Schuster sein Nachfolger werden

Von Stefan Boscher
Bünde. Zwei Jahre vor der nächsten Kommunalwahl ist klar: Bünde bekommt 2020 einen neuen Bürgermeister. Amtsinhaber
Wolfgang Koch wird nicht wieder antreten. Für seine Partei, die CDU, soll Martin Schuster ins Rennen ziehen.
2020 wird Koch knapp elf Jahre als Stadtoberhaupt fungiert haben, in den vergangenen Wochen mehrten sich die Anzeichen, dass
Koch nicht weitermachen möchte und sein Amt zur Verfügung stellt. Im Frühjahr hatte Koch auf entsprechende Fragen der Neuen
Westfälischen noch geantwortet, dass er eine Entscheidung über seine Zukunft noch nicht getroffen habe. CDU-intern wollte man
eigentlich erst im kommenden Jahr eine Entscheidung verkünden.
Nun wurde der Zeitplan durcheinandergewirbelt. Nach Informationen der Neuen Westfälischen haben die entsprechenden
Führungsgremien der Partei bereits getagt, und man hat sich festgelegt, mit wem die CDU in zwei Jahren in den Kampf ums
Bürgermeisteramt gehen will: Martin Schuster soll es richten.
Der 36-Jährige Unternehmer, der in Bünde das Unternehmen Bentley Tobacco führt, ist Stadtverbandsvorsitzender seiner Partei.
Seit vier Jahren gehört er dem Stadtrat an und ist dort Mitglied nahezu aller wichtiger Ausschüsse, darunter sind die Fachgremien für
Planung, Schule und Verkehr.
Auf der Rückfahrt von einem Geschäftstermin erreicht die NW den CDU-Mann gestern am späten Nachmittag. Nachdem die Partei
auf ihn zugekommen sei, habe er sich schon die Frage gestellt, ob er der Richtige für dieses Amt sei, sagt Schuster ganz offen. Und
weiter, ganz selbstbewusst: „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich der Richtige bin.“
Es habe lange Gespräche gegeben, schließlich sei es keine Entscheidung, die man mal eben zwischen Tür und Angel treffe. Es mache
ihn stolz, dass seine Partei ihm diese „verantwortungsvolle Aufgabe“ zutraue. Als gebürtigem Bünder liege ihm die Stadt am Herzen,
so Schuster weiter, „wenn man etwas erreichen will, muss man mit Herzblut dabei sein“. Die Bünder könnten von ihm erwarten, „mit Spaß und viel Engagement die Stadt voranbringen“ zu wollen. „Ich freue mich darauf“, so Schuster.








Bis es aber soweit ist, muss eine Wahl gewonnen werden. Die Bünder werden dann die Wahl zwischen mindestens zwei Neulingen
haben. Einen sogenannten Amtsbonus, den amtierende Bürgermeister normalerweise haben, hat 2020 keiner der Kandidaten.
Schuster stört das nicht, er will viel lieber mit Inhalten überzeugen: „Ich glaube, dass ich gute Ideen habe“, sagt der 36-Jährige im
Gespräch mit der NW.
Auch wenn Schuster die Unterstützung des Vorstands und seiner Fraktion bereits sicher hat: Um als Bürgermeisterkandidat
aufgestellt zu werden, braucht er die Rückendeckung der gesamten Bünder CDU. Die will er sich in zwei Wochen holen: Im Rahmen
einer Mitgliederversammlung will sich Schuster am Dienstag, 2. Oktober, 19 Uhr, in der Gaststätte Zur Klinke erklären und dabei
„seine Ideen und sein vorläufiges Programm vorstellen“.
Wolfgang Koch, der in zwei Jahren im Alter von dann 64 Jahren aus dem Amt scheiden wird, ist seit 2009 Stadtoberhaupt von Bünde.
Damals trat er die Nachfolge von Anett Kleine-Döpke-Güse (ebenfalls CDU) an. In den vergangenen Jahren geriet er häufiger mit
seinem Technischen Beigeordneten Andreas Siepenkothen aneinander, auch öffentlich kam es immer wieder zu verbalen
Auseinandersetzungen. Kritiker warfen ihm zuletzt zudem vor, keine Vision für Bünde zu haben und ideenlos zu agieren.
Koch hat in seiner Amtszeit jedoch auch mehrere Großprojekte als Bürgermeister verantwortet, in jüngster Vergangenheit unter
anderem den Kauf des Bahnhofs, den Neubau des Freibades und den anstehenden Kauf der ehemaligen Britenhäuser.
Er gehe „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, so Koch auf Nachfrage der NW. Nach „intensiven Gesprächen mit
meiner Familie“ habe er sich entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen. Bürgermeister zu sein, sei „ein hochinteressanter Job, der
aber manchmal auch nicht ganz einfach ist“. 2020 werde er 65 Jahre alt, „ein gutes Alter, um aus dem Berufsleben auszusteigen“.
Worauf er sich dann am meisten freue? Für die Antwort muss Koch nicht lange überlegen: „Ich habe mein halbes Leben lang Anzüge
getragen, jetzt ist Zeit für kurze Hosen".