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19.11.2018 NW Bünder Tageblatt


Gegen das Vergessen

Volkstrauertag: Am Ehrenmal an der Hochstraße in Ennigloh fanden sich zahlreiche Bürger zur Gedenkfeier ein. Die Veranstaltung wurde von Schülern der Realschule Bünde-Nord maßgeblich gestaltet

Kranzniederlegung:

Die Vertreter der Parteien im Rat der Stadt Bünde und einige Vereine aus Ennigloh halten am Ehrenmal an der Hochstraße inne und gedenken der Kriegstoten und Opfern von Gewaltherrschaft

Bünde. Der Neustart einer größeren Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Bünde ist geglückt. Nach nur drei Wochen Vorbereitungszeit haben Organisator Sven Kampeter zusammen mit Lehrerin Gisela Ebeling und ihren sieben Schülerinnen und Schülern der Realschule Bünde-Nord der Gedenkveranstaltung eine besondere Note verliehen.
In den vergangenen Jahren wurde die Gedenkfeier meist von älteren Bürgern besucht. Am Volkstrauer wird in Deutschland zwei Wochen vor dem ersten Advent traditionell der Opfer der Kriege und der aktuellen Gewalt gedacht. Die Anwesenheit und die Darbietung der Jugendlichen zeigten, dass Krieg und Unterdrückung ein ernstes Thema bei jungen Leuten ist.
„An den Frieden kann man sich so gewöhnen, dass man ihn nicht mehr zu schätzten weiß“, sagte der Realschüler Mika Sewing. Die Schüler erinnerten an die Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs in der vergangenen Woche, aber auch an die Nazi-Demo in Bielefeld mit dem breiten Widerstand dagegen. „Wir wollen keinen Hass“, war die klare Aussage der Zehntklässler.
In seiner Begrüßung hatte Sven Kampeter zuvor die Anwesenden gebeten, sich zwar intensiv zu erinnern, aber nicht zu vergessen, deutlich nach vorne zuschauen. Er warnte vor einer Wiederholung der Geschichte und zitierte den Friedensnobelpreisträger Willy Brandt: „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“

Bürgermeister Wolfgang Koch verwies auf die zentrale Gedenkstunde am Volkstrauertag im Plenarsaal des Deutschen Bundestags, wo der französische Präsident Emmanuel Macron und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gedenk- und Totenreden hielten.

„Eine solche Veranstaltung wäre vor 70 Jahren völlig undenkbar gewesen. Als Deutsche leben wir seit Jahrzehnten in Frieden – das hat noch keine Generation vor uns geschafft“, sagte der Bürgermeister und mahnte das Mitgefühl für sinnlos gestorbene Kinder, Frauen, und Männer in aller Welt an.
Sven Kampeter freute sich über die Anwesenheit von Abordnungen der TG Ennigloh, der Schützengesellschaft Ennigloh, der Garten- und Blumenfreunde Bünde-Ennigloh und des Fördervereins Ennigloh-aktiv sowie den Vertretern aus Rat und Verwaltung der Stadt Bünde.
Die Gedenkfeier wurde von Rebecca Freese und Gottfried Hoffmann von der Philippus-Gemeinde aus Bünde-Ennigloh musikalisch begleitet.
Im Anschluss an die etwa 30 Minuten dauernde Veranstaltung erfolgte im Schießsportzentrum der SG Ennigloh in Muckum ein Gedankenaustausch.
Auf Anordnung des Bundespräsidenten waren die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden gestern auf halbmast gesetzt. Auch in Holsen, Hunnebrock, Muckum, Ahle und Spradow wurde an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft erinnert.
Im kommenden Jahr möchte Sven Kampeter die Gedenkveranstaltung in Ennigloh noch breiter gestalten.