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23.05.2018 NW Bünder Tageblatt


Wegweiser zu den Stolpersteinen

Pflegebedürftige Denkmäler in der Straße:

Ralf Grund (v.l.), Christina Whitelaw-Jaffe und Wolfgang Koch vor drei Stolpersteinen an der Eschstraße. Die Messingplatten laufen schnell an, so dass die Netzwerkgruppe immer auf der Suche nach Menschen ist, die sie hin und wieder polieren. Foto: GERALD DUNKEL

Gedenken an ermordete Juden: Ein neuer Flyer der Stadt Bünde informiert über die Orte, an denen die kleinen Gedenksteine verlegt sind. Insgesamt 60 dieser besonderen Plaketten gibt es derzeit in Bünde

Bünde. 2003 begann der Künstler Gunter Demnig damit, besondere Pflastersteine in Bünde zu verlegen. Seitdem sind die als "Stolpersteine" bekannt gewordenen kleinen Denkmäler Erinnerung an die Opfer der Nazis und Mahnmal für das Geschehene im Dritten Reich.

Namen sind darin eingestanzt, die vor dem jeweiligen Haus zu lesen sind, in dem die Opfer früher lebten. Doch oft wurden sie nur zufällig gefunden - eine Führung war nur Kundigen möglich. Das soll nun ein Ende haben.

Mit einem Faltflyer will die Stadt Bünde in Zusammenarbeit mit der Netzwerk-Gruppe im Besonderen Ortsunkundigen nun helfen, den Weg zu den Stolpersteinen einfacher zu finden.

Für Bürgermeister Wolfgang Koch ein Projekt, das seine volle Unterstützung hat. "Ich bin stolz darauf, dass wir hier so eine starke Erinnerungskultur haben und dass sich Bünde so seiner eigenen Geschichte stellt", so der Bürgermeister bei der Vorstellung des Flyers im Rathaus.

Sein besonderer Dank gilt dabei auch Christina Whitelaw-Jaffe von der Netzwerk-Gruppe. Sie war früher Lehrerin am Gymnasium am Markt und initiierte dort das Projekt "Auf den Spuren der Bünder Juden". Dabei sollte es nicht bleiben und schließlich entstand daraus eine Arbeitsgemeinschaft an der Schule und die Netzwerkgruppe, die sich dem Aufarbeiten und dem Ergründen der Geschichte jüdischen Lebens in Bünde verschrieben hat.








"Die Stolpersteine sind keine statische Sache", sagt die Frau, die mit dem jüdischen Opernsänger Monte Jaffe verheiratet ist. In Bünde wurden 2003 die ersten Stolpersteine in OWL eingesetzt. In vielen anderen Städten, in denen Künstler Gunter Demnig das vorhatte, lehnte man ab. "Es gab Leute, die hatten Angst davor, dass ihr Haus an Wert verlieren könnte, wenn ein Messingstein davor darauf hinweisen würde, dass es früher verfolgten und ermordeten Juden gehört hat", erklärt sie.

Auch in Bünde stieß das Projekt "Stolperstein" nicht immer auf Zustimmung, aber es sei für ihre Schüler früher gut gewesen, dass sie ihr Projekt vor Bürgern rechtfertigen mussten.

Künstler Demnig verfolgte mit den Stolpersteinen die Idee, dass sich der Betrachter zunächst verneigen muss, um zu lesen, und den Blick erst dann gerade auf das Haus richtet, vor dem die Stolpersteine eingelassen sind. Das werde in jüdischen Gemeinden unterschiedlich gesehen, so Whitelaw-Jaffe, denn einige meinten, dass auf diese Weise erneut auf Juden herumgetrampelt würde.

Das Interesse sei bei Bürgern und Touristen groß, die Orte der Stolpersteine zu besuchen, so Ralf Grund vom Stadtmarketing. Mit dem neuen Flyer sei man diesem Wunsch nun nachgekommen.

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11 - Bünde, Mittwoch 23. Mai 2018