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23.05.2018 WFB Bünder Zeitung


Stolpersteine leichter zu finden

Jetzt sind die Stolpersteine leicht zu finden. Ralf Grund vom Stadtmarketing, Christina Whitelaw-Jaffe von der Netzwerkgruppe und Bürgermeister Wolfgang Koch präsentieren den neuen Flyer mit Karte an Stolpersteinen in der Eschstraße. Fotos: Thomas Klüter

Stadt und Netzwerkgruppe stellen Flyer zu 60 kleinen Denkmälern vor

Thomas Klüter
Bünde(BZ). Insgesamt 60 Stolpersteine weisen in der Bünder Innenstadt auf die ehemaligen Häuser von jüdischen Bürgern und deren Schicksalen hin. Jetzt hat die Netzwerkgruppe »Auf den Spuren der Bünder Juden« zusammen mit der Stadt einen Flyer mit Lageplan vorgestellt.

»Es bestand Nachfrage nach mehr Informationen«, sagte Bürgermeister Wolfgang Koch. Und der Flyer präsentiere diese jetzt sehr gelungen. »Ich bin stolz darauf, dass wir diese Erinnerungskultur pflegen und auch dass Bünde sich der Geschichte recht früh gestellt hat«, so Koch.

Tatsächlich sei Bünde die erste Stadt in Ostwestfalen-Lippe gewesen, die sich an dem bundesweiten Projekt der Stolpersteine beteiligt hat, sagte Christina Whitelaw-Jaffe von der Netzwerkgruppe. 2003 verlegte der Künstler Gunter Demnig in Zusammenarbeit mit Schülern des Marktgymnasiums die ersten Messingplaketten. »Die Schüler der Netzwerkgruppe hatten eine Liste der Namen aus einem Buch von Norbert Sahrhage und dann eigenständig weiter recherchiert, um mehr über die Schicksale der Betroffenen zu erfahren«, sagte Whitelaw-Jaffe. Bei insgesamt acht Aktionen wurden dann bis 2016 die 60 Solpersteine in den Boden gesetzt.

»Bisher war es schwierig, ohne ortskundigen Führer alle Stolpersteine zu finden«, sagt Ralf Grund vom Stadtmarketing.





Jetzt mit dem Flyer und dem Lageplan kann sich jeder auf eigene Faust auf den Weg durch die Stadt machen und die kleinen Gedenktafeln finden. Zusätzlich bietet der Flyer Informationen zum Projekt und zu den jüdischen Bürgern wie Name, Geburtsdatum, Jahr der Deportation sowie Ort und Datum der Ermordung.

Diese Informationen stehen auch auf den Messingtafeln selber, doch sind sie durch Witterungseinflüsse in manchen Fällen nur noch schwer zu lesen. »Deshalb müssen die kleinen Denkmäler hin und wieder gereinigt werden«, sagt Whitelaw-Jaffe. Da würde sich die Netzwerkgruppe freuen, wenn engagierte Freiwillige einfach mal einen Lappen in die Hand nähmen.

Bundesweit sind die Stolpersteine nicht unumstritten. Der Zentralrat der Juden habe kritisiert, dass das Andenken an die deutschen Juden wieder »mit Füßen getreten« werde, sagte Whitelaw-Jaffe. Deshalb hätten Städte wie München oder Köln auf Stolpersteine verzichtet. »Wir haben aber Kontakt mit den Nachfahren der Bünder Opfer aufgenommen und die waren von der Idee begeistert«, so Whitelaw-Jaffe. Der Gedanke dahinter ist, dass Besucher zu Boden schauen und sich dadurch vor dem Opfern verbeugen. Schauen sie wieder auf, sehen sie direkt deren Wohnhaus. Die Flyer zu den Stolpersteinen sind ab im Rathaus erhältlich.