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03.10.2015 WFB Bünder Zeitung


Dement im Krankenhaus

Dr. Meinolf Blattgerste und Günter Niermann vom Generationentreff Enger (von rechts) und weitere Akteure der Demenztagung im Dietrich-Bonhoeffer- Haus. Foto: Rainer Grotjohann

Internationale Fachtagung im Dietrich-Bonhoeffer-Haus

Von Rainer Grotjohann
Bünde(BZ). Vor etwa 15 Jahren, sagt Dr. Meinhard Blattgerste, seien Demenz und Delir noch kein Thema gewesen. Das hat sich geändert, nicht nur aufgrund der demografischen Entwicklung. Was dringend gebraucht wird ist das »Demenzfreundliche Akutkrankenhaus«.
Das ist das Leitmotiv der 4. Internationalen Demenztagung am Dienstag, 20. Oktober, im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Und Dr. Blattgerste, Leitender Arzt des Instituts für Neurologie am Lukas-Krankenhaus, ist einer der Referenten. Er wird berichten, wie sich das örtliche Krankenhaus auf die wachsende Zahl dementer Patienten einstellt, insbesondere im Pflegebereich. Zwei Schwestern beziehungsweise Pfleger pro Station seien speziell zur Betreuung von Dementen geschult worden, zukünftig sollen es drei pro Station sein.
Für Patienten über 70 Jahre, die als Notfälle eingeliefert werden, ist ein kleiner Fragenkatalog entwickelt worden. So soll frühzeitig erkannt werden, ob der Patient Anzeichen von demenzieller Erkrankung zeigt oder nicht. Schon bei der Aufnahme und der sich anschließenden Diagnostik treten, so Blattgerste, Probleme auf.
Die Verständigung mit dem Patienten sei schwierig, die neue Umgebung ängstige ihn. Aggressivität gegen Pflegepersonal und andere Patienten seien nichts anderes als eine Art Verteidigungshaltung. Von speziellen Stationen für Demente und Delir-Patienten (Delir oder Durchgangssyndrom bezeichnet den Verwirrungszustand nach Operationen und bei Medikamentenumstellung) hält Meinolf Blattgerste wenig. Ziel der Behandlung im Krankenhaus sei es, auch diese Patienten möglichst schnell so weit wieder herzustellen, dass sie in ihre gewohnte Umgebung, sprich: die eigenen vier Wände, zurückkehren können.





Wie groß die Herausforderungen sind, vor denen vor allem Pflegekräfte stehen, bekräftigt auch der Geschäftsführer des Evangelischen Johanneswerks Bielefeld. In den Altenheimen seien vier von fünf Bewohnern dement. Mit Blattgerste ist er sich einig, dass die finanziellen und personellen Ressourcen bei weitem nicht ausreichen. Blattgerste: »Wir haben ein wunderbares Gesundheitssystem, das wir aber kaum noch finanzieren können.«
Eine Einschätzung, die auch Günter Niermann, Gründer des Generationentreff Enger (GTE), teilt. Er versucht seit Jahren, das Problem Demenz ins Blickfeld der Menschen zu rücken.
Der GTE ist in Kooperation mit der Behinderten- und Pflegeberatung der Stadt Bünde, den Alten- und Pflegeheimen des Johannes- werkes Haus Stephanus (Hiddenhausen) und Marie-Schmalenbach-Haus (Herford) Veranstalter der Tagung, die um 9 Uhr beginnt und gegen 16 Uhr endet. Sie wird gefördert von der Ruth-und-Willi- Biermann-Stiftung mit Sitz in Enger und vom Bundesfamilienministerium.
Gastreferenten sind an diesem Tag unter anderem Rolf-Rüdiger Schäbitz vom Evangelischen Krankenhaus Bielefeld und Ursula Sattong, Leiterin der Fachstelle Demenz der Malteser in Köln. Ihr Credo: »Die Organisation sollte dem Patienten folgen, nicht der Patient der Organisation.« Mit dabei ist auch Sebastian Köhler von der Universität Maastricht.

Um Anmeldung wird gebeten unter Telefon 0 52 24-93 75 63 (Generationentreff Enger) oder per Mail an gniermann@lteleos-web.de.


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