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06.02.2015 WFB Bünder Zeitung


Mehr Flüchtlinge in die Briten-Siedlung

Bürgermeister Wolfgang Koch (links) stellten sich den Fragen von Ratsmitglied Dr. Kai Unzicker. Koch ging auf die Situationen in der Stadt Bünde ein. Im Ortsteil Hunnebrock sollen so deutlich mehr Flüchtlinge in den ehemaligen Britenwohnungen leben.

Großer Andrang bei Informationsveranstaltung der SPD

Bünde(BZ). Bis vor kurzem sollten es sechs Wohnungen von je 80 Quadratmeter sein, die im Stadtteil Hunnebrock mit Flüchtlingen (vorrangig Familien) belegt werden. Nun kommen acht weitere (je 60 Quadratmeter) der von Briten geräumten Wohneinheiten hinzu.
Von Rainer Grotjohann (Text und Fotos)
Unter den künftigen Bewohnern werden auch Einzelpersonen sein. Das hat Bürgermeister Wolfgang Koch am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung der SPD in der Gaststätte Erdbrügger bestätigt.
Eine Nachricht, die im vollbesetzten Saal sehr ruhig aufgenommen wurde. Ganz offensichtlich hatten die Anwohner mit dieser Entwicklung gerechnet. Und offensichtlich sind die wiederholten Beteuerungen der Verwaltungsspitze, auf keinen Fall würden die ehemaligen Britensiedlungen zum Flüchtlingsghetto, nicht ungehört verhallt. »Die Flüchtlinge werden dort nicht auf Dauer bleiben«, betonte Bürgermeister Wolfgang Koch.
Die Zukunft der Siedlung mit ihren 98 Wohneinheiten könnte eine ganz andere sein – als Quartier mit bezahlbarem Wohnraum, nicht zuletzt für junge Familien. Das machten Koch und Petra Eggert-Höfel, Chefin der Bau- und Siedlungsgenossenschaft, deutlich. Die B+S-Vorstandsvorsitzende bekräftigte noch einmal, dass das Unternehmen prinzipiell großes Kaufinteresse habe, aber nicht alle Wohneinheiten, und erst recht nicht allein, erwerben könne. Denkbare Kooperationspartner seien die Jugendhilfe Schweicheln und die Lebenshilfe, deren Einrichtungen in unmittelbarer Nähe liegen. Das Quartier habe »großes Potential«, hier bestehe eine große Chance.
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), in deren Besitz die Wohnungen stehen, hat, wie berichtet, einen Teil der Immobilien mietfrei für die Flüchtlingsaufnahme zu Verfügung gestellt.




Davon unberührt bleibt das Vorkaufsrecht, das der Stadt eingeräumt worden ist. Die BImA will aber bis zum Sommer ein Konzept vorliegen haben, wie eine Eigentumsübertragung an die Stadt (in Kooperation mit der Bau- und Siedlungsgenossenschaft und anderen) gestaltet werden könnte. Daran werde gearbeitet, wer eigene Ideen zur Gestaltung des Quartiers einbringen möchte, sei willkommen, sagte Eggert-Höfel und richtete diese Einladung insbesondere an die Dorfgemeinschaft Hunnebrock.
In der von Ratsmitglied Dr. Kai Unzicker und Kreistagsmitglied Karsten Dogar moderierten Veranstaltung berichteten Michael Schmidt als Vertreter der Stadt Gütersloh und Dr. Peter Böhm, Technischer Dezernent der Stadt Herford, über ihre Erfahrungen mit freiwerdenden Immobilien der Rheinarmee. Dort waren und sind die Probleme (und Chancen) von ganz anderen Größenordnungen. In Gütersloh sind 10000 Wohnungen freigeworden, in Herford mehrere hundert – und dazu drei größere Kasernen im Stadtzentrum. Frühzeitig habe man sich um Lösungen kümmern können, mit Beteiligung der Bürger, sagte Böhm.
Was prompt zwei Anwohner auf den Plan rief, die der Stadtverwaltung Bünde vorwarfen, »Zeit verplempert« zu haben. Wolfgang Koch ließ den Vorwurf nicht stehen, viel Vorlauf für Beratungen und Entscheidungen habe es nicht gegeben.
Mit spürbarer Erleichterung wurde im Saal aufgenommen, dass Böhm für die Stadt Bünde ausschloss, womit Herford im vergangenen Jahr fertig werden musste: praktisch unangekündigte Zuweisung von mehreren hundert Flüchtlingen: »Das war eine Extremsituation, das wird sich in Bünde nicht wiederholen.«