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07.05.2015 WFB Bünder Zeitung


Aufbauhilfe nach der Wende geleistet

Bündes Bürgermeister Wolfgang Koch überreicht an Bürgermeister Tobias Goth als Gastgeschenk ein Aquarell eines Bünder Malers.

25 Jahre Städtepartnerschaft Bünde-Leisnig mit großem Programm gefeiert

Bünde/Leisnig(BZ). Mit einem Kraftakt zum Auftakt des 55. Leisniger Blütenfestes sind die Gäste aus Bünde auf dem Markt in Leisnig begrüßt worden: das Aufrichten des Maibaums der Freiwilligen Feuerwehr war eine gekonnte Aktion, bei der jeder Griff sitzen musste.

Von Bärbel Kuhlmann
Doch nicht nur das Blütenfest wurde in der sächsischen Kleinstadt gefeiert. Auch die 25-jährige Städtepartnerschaft mit Bünde wurde gewürdigt. Die Festveranstaltung dazu fand in einem mit Blüten geschmückten Festzelt statt. Der Shantychor aus Bünde war eigens angereist und sorgte für gute Stimmung und Unterhaltung. Die Kontakte zum Chor bestehen seit 1991, und nach der Hochwasserkatastrophe 2013 veranstaltete die Marinekameradschaft ein Benefizkonzert.
Auch Vertreter aus Rat und Verwaltung sowie einige Bünder Bürger waren angereist. Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth betonte, dass die Partnerschaft zu Bünde anders zu gewichten sei als Partnerschaften mit Städten in Italien und Ungarn, wo es hauptsächlich um das Kennenlernen der anderen Kulturen gehe. Bünde habe 1990 »Amtshilfe« beim Verwaltungsstrukturaufbau geleistet. Die Stadt engagierte sich zudem bei den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013. Der damalige Bünder Stadtdirektor Gerhard Thees, die Baubetriebe Oberbremer und Horst Engelbrecht (CDU) hegen und pflegen weiterhin geschäftliche und private Kontakte nach Leisnig.
Wenn auch die Euphorie der ersten Stunde gewichen sei, erinnerte Goth an die vielen gemeinsamen Veranstaltungen der Posaunenchöre Bünde-Dünne und Leisnig. Hervorzuheben sei der gemeinsame Aufenthalt der 5. Klassen auf Wangerooge. Er zitierte die damalige stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Oevermann: »Freundschaft ist die Blüte des Augenblicks und die Frucht der Zeit«. Bürgermeister Goth überreichte dem Bünder Bürgermeister anschließend einen Scheck über 1000 Euro für die Anschaffung der neuen Orgel in der Kreuzkirche in Bünde-Ennigloh. Bündes Bürgermeister Wolfgang Koch erinnerte an die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde am 24. August 1990 und fragte »Haben sich die Hoffnungen erfüllt?« Leisnig und Bünde hat der Tabak zusammen geführt. Die damalige Leisniger Zigarettenfabrik ist inzwischen aber »abgewickelt«.
Hervorgehoben wurde auch der Einsatz einzelner Bürger. Dank des Engagements von Wilhelm Placke, Lehrer der Realschule Bünde Mitte, konnten so mehr als 30 Jugendliche der Peter-Apian-Oberschule Leisnig eine Ausbildung in Bünde machen.





Das hieß Ausbildungsplätze besorgen, Wohnungen suchen – einschließlich Renovierungsarbeiten – und die Verantwortung für die jungen Menschen übernehmen, die noch an den Sozialismus gewöhnt waren. »Das bedurfte aktiver Menschen. Ihr Handeln hat die Beziehung mit Leben erfüllt, wo es sonst nur leere Worte gibt. Vor dem Mauerfall hätte es so ein Fest nicht gegeben«, sagte Koch. Gerhard Thees und die Leisnigerin Carla Lichtenstein, heute noch aktiv im Leisniger Kulturbund, erinnerten im Gespräch an die Anfänge der Partnerschaft und die ersten Besuche mit Büchergeschenken.
Heiner Stephan, erster Leisniger Bürgermeister nach den freien Wahlen, erinnerte daran, dass sein damaliger Bünder Amtskollege, der schwer erkrankte Bürgermeister Herbert Voss, mit letzter Kraft seine Unterschrift unter die Partnerschaftsurkunde gesetzt habe.
Auch Kristin Dorias-Thomas, Leiterin der Peter-Apian-Oberschule, sagte: »Das geht so tief«. Gemeint war damit die Hilfe nach dem Hochwasser 2013 und die Unterstützung bei den Wangeroogefahrten, die im Übrigen am gleichen Tag aufs Neue startete. Sie lud die Gäste ein, einen Besuch in der Schulküche zu machen, damit man sehen konnte, wohin ein Teil der Spendengelder geflossen waren. »Den wahren Freund erkennt man in der Not«, zitierte die engagierte Schulleiterin Cicero.
Schulen und Vereine boten während des Festes Köstlichkeiten für Leib und Seele an. Auf der Bühne im Festzelt gab es Darbietungen der Grundschule »Sigismund Reschke«, der Musikschule Fröhlich, eine Modenschau, Line Dance, und vieles mehr. Mit dem Oldtimerbus starteten viele Besucher eine Rundfahrt in das Obstanbaugebiet rund um Leisnig. Im erst kürzlich restaurierten »Stadtgut« gab es für geschichtlich Interessierte eine Führung durch die Lutheraustellung. Dabei zeigte sich: Das Bergstädtchen Leisnig mit seinen Altstadtgassen und der Burg Mildenstein ist immer wieder eine Reise wert. Sicher hätten sich mehr Bünder auf den Weg gemacht, wenn eine gemeinsame Busreise organisiert worden wäre. Jedenfalls sollten keine Anstrengungen unterlassen werden, um den Leisnigern bei einem Gegenbesuch ebenfalls ein abwechslungsreiches Programm und herzliche Gastfreundschaft zu bieten.


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