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13.01.2015 NW Bünder Tageblatt


"Je suis Charlie" beim Neujahrkonzert

"Ich bin Charlie":

Wolfgang Koch mit einem Schild, das sich auf den Anschlag aufs Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris bezieht.

Nordwestdeutsche Philharmonie stimmt heiter / Wolfgang Koch erklärt sich solidarisch

Von Nicolas Bröggelwirth

Bünde. Bereits zum 16. Mal wurde am Sonntagabend das Neujahrskonzert mit der Nordwestdeutschen Philharmonie in der Bünder Stadthalle veranstaltet, die traditionell mit einem Grußwort des Bürgermeisters verbunden ist. Nach elf Auftritten an neun Tagen war es das letzte Konzert mit diesem Programm des Orchesters, welches zum Jahreswechsel gewohnt unkompliziert und unterhaltsam gestaltet war. Aktuelle Ereignisse in Paris stimmten Wolfgang Koch in seiner Rede aber doch etwas nachdenklich.

In großen, silbernen Ziffern prangte die Zahl 2015 auf dem blauen Vorhang. Bürgermeister Wolfgang Koch richtete seine Worte der Begrüßung an die Bürger der Stadt und wünschte ihnen ein frohes, neues Jahr. Es war der Abend der großen Demonstration in Paris.

In epigrammatischer Schärfe ging er auf den Vorteil von live erlebter Musik im Gegenteil zum Erlebnis "aus der Konserve" ein. Der Programmtitel "Vive la France!" sei für ihn persönlich ein Lebensgefühl. Sofort danach konzentrierte er sich ohne Umschweife auf die jüngsten Ereignisse in Frankreich. Koch verurteilte das Geschehene als einen "Anschlag auf die Grundwerte unserer Gesellschaft", zu denen Meinungs- und Pressefreiheit als Basis-Rechte gehörten. Er warnte davor, die Täter zu Märtyrern zu machen oder sie gar religiös zu erheben und forderte, sie einzig und allein "als brutale und menschenverachtende Terroristen" zu bezeichnen. Auch wolle er ein Zeichen der Solidarität setzen und sagte "Vive la France! Je suis Charlie!" Spontan standen die rund 600 Gäste im Stadtgarten auf und applaudierten.

Im Folgenden sprach der Bürgermeister das Flüchtlingsproblem in den Kommunen an und lobte das Verhalten der Bünder, hob dabei die ehrenamtlichen Mitarbeiter hervor, denen er für ihren "unermüdlichen Einsatz" dankte. Er verwendete die Allegorie von Gesellschaft und Orchester, in dem jeder seinen Teil erfüllen könne, alle aber in Harmonie funktionierten. Besonders dankte er zwei Gruppen, die er im Dezember auszeichnen durfte: dem Förderverein Spradow und der Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Roten Kreuzes, die bei der Zuweisung von Flüchtlingen im Kreis Herford behilflich war.







Nach seiner kurzen Rede begann das Konzert der Nordwestdeutschen Philharmonie. Als Gastdirigent war der Münchner Markus Huber geladen worden, der sich nicht nur in Deutschland, sondern vor allem auch in den USA einen Namen gemacht hat. In Tempo und Dynamik schlug er dem Programm entsprechend einen wohlgefälligen und ausgewogenen Ton an.

Auf jenem Programm standen dem Titel gemäß hauptsächlich Werke französischer Komponisten wie Georges Bizet, Camille Saint-Saens, Jules Massenet oder Charles Gounod. Vorwiegend wurden bekannte Oper- und Operetten-Klänge ausgewählt, die leicht und frisch ins neue Jahr führten. Auch Stücke nicht französischer Komponisten wie zum Beispiel Johann Strauß waren zu hören, der aber mit seiner "Pariser Polka" (Opus 382) inhaltlich wieder einen Konnex zum Programm fand.

Die Münchner Mezzosopranistin Franziska Rabl unterstützte das Orchester mit ihrer kraftvollen Stimme, die dennoch ein weiches, gar warmes Timbre besitzt. Vielen Zuhörern mag die 39-Jährige in diesem Jahr durch ihr Engagement am Bielefelder Theater bekannt sein.

Mit dem "Can Can" aus "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach klang der Abend tänzerisch aus. Gerade der Kölner, der früh nach Paris ging und sich auch im Krieg als deutscher Spion beschuldigen lassen musste, steht wie kaum ein anderer Komponist für die nicht allein kulturelle Verbundenheit zwischen Frankreich und Deutschland.

Zum Abschluss durfte dann noch Dirk Kaiser, der Geschäftsführer der Stadtkultur Bünde, das letzte Stück dirigieren.

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11 - Bünde, Dienstag 13. Januar 2015