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13.01.2015 WFB Bünder Zeitung


Prickelnd wie Champagner

Auch Bürgermeister Wolfgang Koch ist am Tag des Trauermarsches durch Paris »Charlie«. Fotos: Annika Tismer

NWD-Neujahrskonzert begeistert das Publikum im Stadtgarten

Bünde(BZ). Zum 16. Mal hat das Bünder Publikum zusammen die Nordwestdeutsche Philharmonie zum Neujahrskonzert im Stadtgarten begrüßen können. Allerdings ging dies zu Beginn nicht ohne eine Geste der Wehmut ab.
Von Heike S.Festerling
Bei der Rede des Bürgermeister saßen die Musiker nicht wie sonst üblich auf ihren Plätzen, sondern blieben noch fern, um so ein Zeichen des stummen Protestes zu setzen: Die Stadt Bünde steigt aufgrund der Haushaltslage aus der Mitfinanzierung der NWD aus. Dennoch dankte der Bürgermeister dem Orchester für seine mitreißenden Live-Auftritte, die unter dem Motto »Vive la France« standen. Koch verwies in diesem Zusammenhang auf die große Solidarität, die in diesen Tagen die französischen Nachbarn nach den verheerenden Terroranschlägen erfahren. »Je suis Charlie« – auch Bürgermeister Koch hielt ein Schild mit diesem mahnenden Ruf hoch, was die Bünder zu einer spontanen Solidaritätsbekundung veranlasste.
Koch betonte die Bedeutung der Solidarität mit und der Integration von Flüchtlingen. Ausdrücklich lobte das ehrenamtlich Engagement vieler Mitbürger, die dazu beitrügen, das Zusammenleben erfolgreich zu gestalten. Hier schlug er die Brücke zum Orchester, in dem jeder seinen individuellen Part perfekt beherrschen müsse, um das große Ganze zu einem Erfolg zu führen.
Dass die NWD zu einem der erfolgreichsten und fleißigsten Orchester Deutschlands gehört, ist hinreichend bekannt. Auch an diesem Abend konnte sich das Publikum auf einmalige Art und Weise verzaubern lassen. Zunächst wählte das Orchester mit seinem perfekt agierenden Dirigenten Markus Huber die Ouvertüre zu »Der Opernball« von Richard Heuberger aus. Auch die Carmen-Arie »Près de remparts de Seville« von George Bizet gelang der Mezzosopranistin Franziska Rabl ganz wunderbar. Die in allen Facetten schillernde Arie gestaltete sie mit ihrem warmen Mezzosopran bis in die feinste Nuancen. Markus Huber bewies sich im Verlauf des Programms nicht nur als zupackender und einfühlsamer Dirigent, sondern auch als charmanter Moderator, der mit viel Sinn für Humor durch das Programm führte.




Ob es der »Konzertwalzer« aus Gounods »Faust« war oder der »Danse bacchanale« aus »Samson und Dalila« von Camille Saint Saens, immer fand die spritzige Musik einen wunderbaren Gegenpart in kleinen Anekdoten und Geschichten.
Einen besonderen Höhepunkt im ersten Teil des Programms stellte die Arie der Charlotte aus Jules Massenets Oper »Werther« dar. Schwermütig, melancholisch, so stimmte das Orchester diese romantische Musik an. Die Solistin zeigte einmal mehr, wie wunderbar sie diese Arie zu interpretieren wusste und gab ihr zugleich einen feinsinnigen und hochdramatischen Charakter.
Nach der Pause zeigte Franziska Rabl ganz andere Facetten ihres Könnens. Mit der Arie des Prinzen Orlowsky aus der »Fledermaus« lernte das Publikum ihre witzigen, übermütigen und ausgelassenen Seiten kennen. Voll überschäumender Lebensfreude präsentierte sie diese Arie. Und auch im weiteren Verlauf des Programms zeigte sie mit der Arie der Dalila aus der Oper »Samson und Dalila« wie vielschichtig ihr Können ist und wie warm und doch zugleich leicht und perlend ihr die schwierigen Partien gelingen.
Mit dem »Pariser Leben« von Jacques Offenbach, Johann Strauß' Schnellpolka »Par force«, der Ouvertüre zur »Schönen Galathée« von Franz von Suppé und dem berühmten Can-can von Jacques Offenbach entfachte das Orchester ein Feuerwerk an inspirierenden Melodien. Alle Musiker zeigten sich in Höchstform und machten so diesen Abend zu einem spritzigen Vergnügen. Champagner in musikalischer Form: spritzig und inspirierend.
Da durfte dann nach dem lang anhaltendem Applaus auch Carmens »Habanera« als Zugabe nicht fehlen, die Franziska Rabl geradezu auf den Leib geschrieben war. Und zum Schluss gab es noch eine Überraschung, Stadtkultur-Chef Dirk Kaiser, der schon den ganzen Abend vom Dirigenten mit Bonmots bedacht worden war, wurde der Dirigentenstab zum »Radetzky-Marsch« übergeben, der bei keinem Neujahrskonzert fehlen darf. Unter dem Jubel des Publikums bewährte sich Kaiser ordentlich und ließ dies Konzert sehr vergnüglich ausklingen.