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23.09.2015 WFB Bünder Zeitung


40 neue Flüchtlinge pro Woche

Bürgermeister Wolfgang Koch

Stadt benötigt mehr Personal und will Vermieter und Wohnungsgesellschaften ansprechen

Von Kathrin Brinkmann
Bünde(BZ). Laut neuer Prognosen wird die Stadt Bünde in Kürze 40 bis 50 Flüchtlinge pro Woche aufnehmen müssen. Mit dieser Prognose haben Günther Berg, Erster Beigeordneter der Stadt, und Bürgermeister Wolfgang Koch jetzt die Politiker überrascht.
Wegen der Notunterkunft in Ahle für 150 Personen waren der Stadt Bünde in den vergangenen Wochen, wie berichtet, keine neuen Flüchtlinge mehr zugewiesen worden. Die Verwaltung geht jedoch davon aus, dass in wenigen Tagen dieses Anrechnungskontingent ausgeschöpft sein wird und der Stadt dann wieder regulär Flüchtlinge zugewiesen werden.
Weil die Zuweisungszahl im Juli bei 56 Personen lag, hatte Günther Berg vor zwei Wochen im Sozialausschuss prognostiziert, dass künftig 60 bis 80 Flüchtlinge im Monat zu erwarten seien. Laut Königsteiner Schlüssel und Erfahrungen aus den Nachbarkommunen könnten es nach aktueller Entwicklung nun jedoch 160 bis 200 Flüchtlinge pro Monat werden. Bis zum Ende des Jahres würde das für Bünde etwa 800 Neuzuweisungen bedeuten. Auf die Gesamteinwohnerzahl Bündes, die bei etwa 45 000 Bürgern liegt, ist dies eine beachtliche Größenordnung.
Auch in der gestrigen Ratssitzung stand das Thema auf der Tagesordnung. Bürgermeister Wolfgang Koch erklärte, dass man vor einer Entwivklung stehe, die »auch auf kommunaler Ebene einer besonderen und gemeinsamen Kraftanstrengung« bedürfe.
Unter Einbeziehung der Ahler Notunterkunft würden derzeit 500 Flüchtlinge in Bünde leben. Diese Zahl werde sich deutlich erhöhen. »Auf diese Entwicklung werden wir uns einstellen müssen. Sie wird unsere ganze Kraft fordern und sicherlich auch die eine oder andere Planung über den Haufen werfen«, sagte Koch. Zu berücksichtigen sei, dass es sich nicht um eine kurzfristige Herausforderung handle, sondern dass sich die Situation wahrscheinlich über Jahre hinziehen werde.






Im Sinne einer gesellschaftlichen Integration gebe es daher keine andere Möglichkeit als die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge. Hierzu müssten zeitnah Vermieter und Wohnungsgesellschaften angesprochen werden. Ergänzend sollen Gespräche in den Stadtteilen mit Multiplikatoren wie Dorfgemeinschaften, Kirchengemeinden und Sportvereinen geführt werden. Aus Gesprächen wisse er, dass die Bereitschaft zur Vermietung häufig davon abhänge, dass die Stadt – und nicht die Asylsuchenden – als Mieterin auftritt. Auch hierfür bat Koch um Zustimmung. Der Planungsausschuss müsse beraten, ob die Stadt gegebenenfalls neue Wohnkapazitäten schaffen müsse. Auch die Bereiche Kinderbetreuung und Beschulung von Flüchtlingen müssten neu überdacht werden. Die Personalplanung müsse angepasst werden. Dies alles habe erhebliche Auswirkungen auf die Finanzplanung der Kommune. Der Haushalt sei ohnehin schon angespannt. Die Stadt sei daher auf finanzielle Hilfen des Bundes und des Landes dringend angewiesen. Wichtig sei auch, dass durch zügige Asylverfahren die Bleibeperspektive der zugewiesenen Menschen schnell geklärt werde. Der Aufbau an dezentralen Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen werde eine Zeit dauern. Geklärt werden müsse, wie die Zeit bis dahin überbrückt werden soll. Der Stadt bleibe keine andere Alternative, als in sehr viel größerem Umfang als geplant auf die ehemaligen britischen Wohnungen in Hunnebrock und Bünde-Mitte zurückzugreifen. Die Außerbetriebnahme städtischer Sporthallen hingegen stelle keine echte Alternative dar. Anliegergespräche seien zu führen. In den betroffenen Quartieren sei die Präsenz von Ordnungskräften und sozialarbeiterisches Engagement gefragt. Eine Hotline für Einwohnerfragen ist eingerichtet: Telefon 05223/161290.