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25.08.2015 NW Bünder Tageblatt


Stadt erbt wertvolles Grundstück

Bestätigt die Erbschaft:

Bürgermeister Wolfgang Koch. Foto: WEIL

Areal befindet sich in bester Innenstadtlage / Was damit passieren soll, steht noch nicht fest

VON STEFAN BOSCHER

und Dieter Schnase

Bünde. Eine außergewöhnliche Erbschaft hat die Stadt Bünde gemacht. Die Familie Buddenberg hat der Kommune schon vor einiger Zeit ihr Haus an der Viktoriastraße mit einem großem Grundstück hinterlassen. Mit der Erbschaft rückt die Diskussion über eine künftige Nutzung der attraktiven innerstädtischen Fläche wieder in den Vordergrund.

So hatte der ehemalige Technische Beigeordnete Heinz Brockmeier seinerzeit angeregt, den "André-Park" - benannt nach der in der Villa an der Hindenburgstraße früher ansässigen Familie André (Zigarren) - eventuell für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, in dem ein Fußweg zwischen der Kaiser-Wilhelm-Straße und der Steinmeisterstraße am Stadtgarten angelegt würde.

Erste Gespräche mit der Familie Buddenberg wurden nach Informationen der Neuen Westfälischen damals auch geführt, allerdings ohne ein Ergebnis wieder beendet.

Auf die Erbschaft angesprochen, bestätigte Bürgermeister Wolfgang Koch gestern gegenüber der NW, dass die Eigentumsüberschreibung kürzlich erfolgt sei. Dem Vernehmen nach soll der Wert der Erbschaft auf rund eine Million Euro geschätzt werden. Koch: "Was mit der Fläche passieren soll, muss die Politik entscheiden." Das Haus hält er wegen des schlechten Zustands nicht für renovierungsfähig.

Die Familie Buddenberg hätte es NW-Informationen zufolge gern gesehen, dass auf dem Grundstück ein Museum eingerichtet wird. Diese Pläne habe die Stadt Bünde allerdings aufgrund der knappen Haushaltslage, die sich wohl auch in den kommenden Jahren nicht wesentlich bessern wird, verworfen. Zudem muss man in einigen Jahren bereits für das Dobergmuseum aufkommen, wenn entsprechende Fördergelder auslaufen. Den Unterhalt eines zweiten Museums könnte sich Bünde aktuell - und wohl auch in Zukunft - nicht leisten.


Aber es gibt andere Möglichkeiten, die zurzeit unter anderem in den Parteien und in den politischen Gremien - die Fraktionen wurden vom Bürgermeister in nichtöffentlicher Sitzung über die unerwartete Erbschaft informiert -









diskutiert werden: So wäre es auf dem Grundstück und einem dazugehörigen Nebengrundstück nach den Worten von Koch möglich, einen Weg anzulegen und so eine Verbindung zwischen Pauluskirche und Stadtgarten zu schaffen. "Die Meinungen darüber gehen aber auseinander", sagte der Bürgermeister im Gespräch mit der NW einschränkend.

Die Verwaltung sei momentan dabei, einen Vorschlag zu erarbeiten, der dem Fachausschuss zur Beratung vorgelegt werden solle. Auch ein Verkauf der Flächen in bester Innenstadtlage sei aktuell eine Option, die in Betracht gezogen werde. "Ein Interessent für das Grundstück hat sich bereits gemeldet", so Wolfgang Koch.

Prominentestes Mitglied der Bünder Familie Buddenberg, die Grundstück und Haus an die Stadt vererbt hat, war der im Jahr 2003 in seiner Heimatstadt verstorbene Hellmuth Buddenberg. Von 1976 bis 1988 war er als Vorstandsvorsitzender an der Führungsspitze der Deutschen BP AG, eines international tätigen Mineralöl- und Energieunternehmens. Nach dem Abitur und anschließendem Kriegsdienst begann Buddenberg ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Kiel und später in Hamburg bei Karl Schiller.

Schon im Jahr 1949 trat er als Kostenprüfer in die Deutsche Benzin- und Petroleum-Gesellschaft ein, dem Rechtsvorgänger der späteren Deutschen BP. Nach dem Ausscheiden aus dem Vorstand von BP wechselte er 1989 als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat und war dort noch bis Mitte 1994 tätig.

Buddenberg war Träger des Großen Verdienstkreuzes, verliehen unter anderem für sein soziales und ehrenamtliches Engagement. Er starb am 5. März 2003 im Alter von 78 Jahren nach kurzer Krankheit in seiner Heimatstadt Bünde.

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11 - Bünde, Dienstag 25. August 2015