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29.10.2015 WFB Bünder Zeitung


Angst vor der Ghetto-Bildung

Bürgermeister Wolfgang Koch (Podium Mitte) musste sich den kritischen Fragen der Anwohner in der Aula Hunnebrock stellen.

Hunnebrocker sorgen sich wegen der steigenden Flüchtlingszahlen in der früheren Briten-Siedlung

Von Rainer Grotjohann
Bünde (BZ). 100 bis 200 Wohnungen müssten in den kommenden fünf Jahren in Bünde gebaut werden, wenn der Zuzug von Flüchtlingen anhält. Das hat Technischer Beigeordneter Dr. Andreas Siepenkothen am Dienstagabend in einer Bürgerversammlung in Hunnebrock prognostiziert.
In der überfüllten Aula der Grundschule Hunnebrock sagte Dr. Siepenkothen, diese Schätzung beruhe auf der Annahme, dass im kommenden Jahr etwa 900 000 und in den Folgejahren bis 2020 jeweils 100 000 Menschen weniger nach Deutschland kämen. Man sei im Gespräch mit Baugesellschaften und denke auch darüber nach, städtisches Geld in den Bau von Sozialwohnungen zu stecken. Diese Neubauten seien jedoch auf keinen Fall nur für Flüchtlinge gedacht, betonte er.
Verwaltungsspitze und Politik mussten sich bei der Informationsveranstaltung zur Unterbringung und Integration von Asylsuchenden zum Teil heftige Kritik anhören. Mehrere Anlieger machten ihrem Unmut über die Belegung der ehemaligen Briten-Wohnungen in Hunnebrock Luft. Von »Ghetto-Bildung« und »Falschaussagen« der Verwaltung war die Rede. Ein Familienvater beklagte sich über den vermeintlichen Wertverlust seines Hauses. Das habe er vor einem Jahr am Rand der Briten-Siedlung gekauft, weil er auf die Aussage der Verwaltung vertraut habe, dass dort »normale« Wohnnutzung geplant sei. Hätte die Stadt, mutmaßte ein anderer Anwohner, die Wohnblocks schnell gekauft, hätte sich das »Flüchtlingsproblem« gar nicht gestellt.
Bürgermeister Wolfgang Koch wies den Vorwurf der Untätigkeit zurück. Die Stadt habe die Eigentümerin, die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BIMA), gebeten, den Wert der Wohnungen gutachterlich festzustellen, die Stadt werde dann den ermittelten Preis zahlen und von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen. Im Sommer habe die BIMA dann mitgeteilt, die Verkaufspläne müssten vorerst auf Eis gelegt werden, da Nordrhein-Westfalen signalisiert habe, die Wohnungen würden vermutlich zur Flüchtlingsunterbringung gebraucht. Ihre ursprünglichen Pläne aber habe die Stadt nicht aufgegeben.
Ein weiterer Anwohner wollte wissen, welche Aufgaben die Stadt nicht mehr wahrnehmen könne, weil die Kosten für die Flüchtlinge den städtischen Haushalt belasteten.






Darauf antwortete CDU-Fraktionssprecher Georg Kruthoff, nicht ein einziges Vorhaben sei bisher aufgegeben oder auch nur verschoben worden.
Als ein weiterer Hunnebrocker pauschal behauptete, unter den Asylsuchenden seien »viele Kriminelle«, stellte Bündes Polizeichef Dietrich Rutenkröger klar, die Quote liege definitiv nicht höher als bei der einheimischen Bevölkerung. Er habe keine Sorge, dass sich das ändern werde.
Eine weitere Anwohnerin behauptete, andere Kommunen lehnten die Aufnahme weiterer Flüchtlinge ab und wollte wissen, warum die Stadt Bünde nicht diesem Beispiel folge. Bürgermeister Koch erklärte, es gebe keine Stadt oder Gemeinde, die einfach die ihr zugewiesenen Flüchtlinge weiter schicken könne. Auch könne sich Bünde nicht aussuchen, welche Nationalitäten kämen, welche Altersgruppen oder Religionszugehörigkeiten. Da die Wohnungen in Hunnebrock und auch an der Engelstraße in Bünde-Mitte hervorragend für Familien geeignet seien, habe man die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg gebeten, vor allem Familien nach Bünde zu schicken – ohne Erfolg. 70 Prozent der Asylsuchenden seien nun einmal alleinstehende Männer. Und gerade das macht offensichtlich vielen Einheimischen Angst. Frauen fürchten um ihre eigene und die Sicherheit ihrer Kinder. Koch verwies auf den Einsatz von Sicherheitspersonal in den geplanten Stadteilbüros. Eben so wie Beigeordneter Günther Berg betonte er, Bünde wolle weiterhin dezentrale Unterbringungslösungen. Die Massierung in der Britensiedlung solle keine Einrichtung auf Dauer werden, verlässliche Zeitpläne könne aber niemand aufstellen. Ute Fröhlich vom »Café International«, der pensionierte Lehrer Wolfgang Balz, Pfarrer Wolfgang Pianka und Ratsmitglied Dr. Elmar Holstiege (Grüne) warben dafür, auf die Flüchtlinge zuzugehen. Miteinander zu reden sei schon der erste Schritt zur Integration, wobei Sprachkenntnisse eine absolute Voraussetzung seien. Beigeordneter Berg brachte städtisch finanzierte Sprachkurse ins Gespräch.


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