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30.06.2015 WFB Bünder Zeitung


Freundschaft entstand über Ahnenforschung

Die Schrägseilbrücke »Bayview Bridge« über den Mississippi River verbindet Quincy in Illinois mit West Quincy in Missouri. Foto: Katharina Brand-Parteck

Bünder fliegen zur 175-Jahr-Feier in die Kreis-Partnerstadt Quincy

Von Kathrin B r i n k m a n n

B ü n d e (BZ). Quincy, die amerikanische Partnerstadt des Kreises Herford, wird in diesem Jahr 175 Jahre alt. Eine Delegation des Kreises – angeleitet von Bürgermeister Wolfgang Koch – wird an diesem Donnerstag, 2. Juli, in die USA
fliegen, um den Geburtstag gebührend zu feiern. »Ich freue mich sehr auf den Besuch und bin schon neugierig auf die Stadt«, sagte Koch gegenüber dieser Zeitung auf Anfrage. Es sei sein erster Besuch in Quincy. »Aber meine Tochter Julia hat im vergangenen Jahr ein Praktikum in der Stadtverwaltung von Quincy gemacht und dort bei einer Gastfamilie gewohnt. Ich freue mich nun, die Stadt selbst einmal kennen zu lernen.« Unter anderem wird die Delegation, der auch Kreisarchivar Wolfgang Silger angehört, an den Feierlichkeiten des Unabhängigkeitstages am 4. Juli teilnehmen. Auch der Besuch einer Ratssitzung steht auf dem Programm. Die Verbindungen des Kreises Herford zur Stadt Quincy reichen bis ins Jahr 1988 zurück. »Der Kontakt ist über das Interesse an Ahnenforschung entstanden«, informierte Andreas Stuke, Vorsitzender des Deutsch-Amerikanischen Freundeskreises Herford-Quincy. Professor Walter Kamphoefner habe geforscht, wo die Leute aus dem Staat Illinois herkamen. Dabei habe er entdeckt, dass viele Auswanderer aus Quincy Wurzeln im Kreis Herford haben. »Es gab drei große Auswanderungswellen. Einmal zwischen 1840 und 1850, dann in den 1870ern und zwischen den beiden Weltkriegen. Vor allem ökonomische Gründe waren die Ursache für die Auswanderung«, sagte Stuke.
Auch heute noch müsse man nur das Telefonbuch der Stadt Quincy aufschlagen und neben die Telefonbücher der Städte Herford, Bünde oder Vlotho legen, um zu sehen, dass ein Großteil der Nachnamen identisch sei. Zwischen der kreisangehörigen Stadt Herford und der Stadt Qunicy wurde 1991 ein offizieller Freundschaftspakt geschlossen. Seit Beginn der freundschaftlichen Beziehungen wurden mehrere Jugendbegegnungen und Gruppenreisen von der Sister City
Commission Quincy und dem DeutschAmerikanischen Freundeskreis Herford-Quincy organisiert. Schüler des Widukind-Gymnasiums in Enger beteiligen sich regelmäßig am Schüleraustausch mit der 42 000-Einwohner-Stadt Quincy am Ostufer des Mississippi.






Zudem haben Menschen aus dem Kreis Herford Praktika in Quincy absolviert und umgekehrt.
Neben der Bünder Bürgermeistertochter hat zum Beispiel auch Katharina Brand-Parteck aus Rödinghausen Erfahrungen in Quincy sammeln können. Während ihres Praktikums beim Fernsehsender WGEM stellte die 32-jährige Hörfunkredakteurin die Weichen für ihre spätere berufliche Zukunft. »Ich habe damals bei Dave und Liz Schlembach gelebt und wurde unglaublich herzlich aufgenommen«, sagt sie. Wiederholt ist sie nach Quincy zurückgekehrt, um ihre freundschaftlichen Kontakte
zu pflegen. »Mein Gastvater Dave hat immer versucht, Deutsch mit mir zu sprechen und war stolz auf seine deutschen Wurzeln. Außerdem habe ich in einem Laden Herforder Pils entdeckt«, erinnert sich die 32-Jährige. In Quincy habe sie zum ersten Mal in ihrem Leben mehrmals Stromausfälle miterlebt, die mehrere Stunden andauerten. »Beim Praktikum durfte ich total viele Sachen machen, mit denen ich vorher niemals gerechnet hätte: Zum Beispiel Kamerafrau bei einer Live-News-Sendung sein.« Bürgermeister Wolfgang Koch wird während seines Besuchs in Quincy ebenfalls bei Familie
Schlembach untergebracht sein. Neben dem Besuch der Bünder Delegation in Quincy sind in diesem Jahr noch weitere Partnerschaftsschafts-Aktivitäten geplant. So soll am ersten August-Wochenende eine 47-köpfige Reisegruppe in den Kreis Herford kommen, die in Gastfamilien untergebracht wird. Während der Kreis Herford sein Engagement in Quincy nach der
Wiedervereinigung zunächst heruntergefahren hatte, ist der freundschaftliche Kontakt seit 2002 wieder belebt worden. 2006 war die damalige Landrätin Lieselore Curländer nach Quincy gereist, 2010 war Landrat Christian Manz die Reise über den großen Teich angetreten. Außerdem besteht seit 2008 ein Kontakt zwischen Universitäts-Studenten aus Quincy und den Fußballvereinen im Kreis Herford. Vor allem der VfL Holsen ist ein treuer Gastgeber für die amerikanischen Studenten, die alle drei Jahre nach Deutschland kommen, um Freundschaftsspiele gegen Holsen und den SV Rödinghausen auszutragen.


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